Der NFT-Markt ist tot. Es lebe der NFT-Markt.

Wer in den letzten Monaten die Schlagzeilen verfolgt hat, könnte glauben, die Geschichte der Non-Fungible Tokens sei bereits geschrieben.

Börsencrash, Betrugsskandale, milliardenschwere Verluste. Das Kapitel NFT scheint beendet, bevor es richtig begonnen hat. Doch diese Lesart ist nicht nur voreilig, sie ist schlicht falsch. Wer den Kopf aus dem Fenster streckt und über den Tellerrand der sensationslustigen Berichterstattung hinausschaut, erkennt ein anderes Bild. Der Markt hat sich nicht aufgelöst, er hat sich gereinigt. Wie nach einem heftigen Gewitter in den Schweizer Alpen ist die Luft nun klarer, und man sieht endlich, was übrig bleibt.

Ich habe mich eine Weile nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Offen gestanden, ich habe den Blick abgewendet, als der Hype seinen Höhepunkt erreichte. Wenn jeder Nachbar beim Sonntagsbraten von seinen «tolen Investments» in digitale Affenbilder schwadroniert, dann ist das für mich ein Zeichen, vorsichtig zu werden. Der Markt war heiss gelaufen, in einem Ausmass, das selbst erfahrene Beobachter unangenehm berührte. Dann kam der Absturz, und viele kehrten der Technologie den Rücken. Viele der NFT Influencer wie Mike Hager haben begonnen sich anderen Themen zu widmen. Einige meiner Lieblings NFT Künstler sind verstummt. Letzte Einträge 2023 oder früher. Dennoch glaube ich nicht das das Thema tot ist.

Warum das Interesse neu erwacht

Die Idee hinter NFTs finde ich nach wie vor extrem spannend. Das liegt daran, dass es bei dieser Technologie nicht um lustige digitale Bildchen geht, wie es die Schlagzeilen der letzten Jahre glauben machten. Wer das denkt, hat das Prinzip nicht verstanden. Es geht um Besitznachweis auf der Blockchain. Es geht um Zugang und um individuelle Zertifikate, die für ungeheuer viele Anwendungen genutzt werden können. Diese Kernidee ist technisch fundiert und wirtschaftlich relevant. Sie ist es wert, ernst genommen zu werden, unabhängig davon, wie hoch oder niedrig die Handelsvolumen gerade sind.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel aus der Schweiz. Wenn Sie ein Grundstück besitzen, erhalten Sie einen Eintrag im Grundbuch. Dieses Dokument bescheinigt Ihnen das Eigentum. NFTs sind im Grunde genommen nichts anderes, nur dass das Grundbuch eine Blockchain ist und der Eintrag programmierbar sein kann. Das eröffnet Möglichkeiten, die weit über den Handel mit Sammlerstücken hinausgehen. Ticketing für Veranstaltungen, Urheberrechtsnachweise, akademische Grade, Mitgliedschaften in Vereinen, die Liste ist lang. Wer NFTs auf die bunten Bilder reduziert, übersieht das Potenzial wie einer, der das Internet auf Katzenvideos beschränkt.

Der Absturz des Marktes hat eine wichtige Funktion erfüllt. Er hat die Spekulanten und Schnell-rich-Artisten ausgesiebt. Was bleibt, sind Entwickler, Unternehmer und Künstler, die die Technologie ernst nehmen. Das ist eine gute Ausgangslage für das, was jetzt kommt. In diesen Schattenzeiten kann es interessant sein, neue Ideen zu entwickeln. Das ist nicht nur eine Vermutung, das ist ein Prinzip, das sich in der Geschichte der technologischen Innovation immer wieder gezeigt hat.

Ich überlege mir, mich dem Thema langsam wieder zu nähern. Dabei möchte ich den Fokus stärker auf meine eigenen Arbeiten legen. Das ist ein bewusster Entscheid. Wer nur reagiert, was die Schlagzeilen vorgeben, verliert die Eigenständigkeit. Wer in kritischen Zeiten eigene Akzente setzt, schafft etwas, das über den Moment hinaus Bestand hat.

Die Stille vor dem nächsten Kapitel

In den letzten Monaten habe ich mich gefragt, ob die Reise um NFTs weitergeht. Die Antwort darauf fällt anders aus, als viele vermuten würden. Die Reise geht weiter, aber sie nimmt eine andere Richtung. Die Phase der blinden Spekulation ist vorbei. Was nun folgt, ist die Phase der sinnvollen Anwendung. Das ist weniger laut, weniger bunt, aber nachhaltiger. Wer heute in den Markt einsteigt, muss nicht mehr mit dem Lärm des Hypes konkurrieren. Man kann sich auf die Substanz konzentrieren.

Das erinnert mich an die Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre. Nach dem Krach hielten viele das Internet für eine gescheiterte Idee. Das war es nicht. Es war nur die erste, überhitzte Phase einer Entwicklung, die danach erst richtig an Fahrt aufnahm. Die Unternehmen, die den Krach überlebten, wurden die Giganten von heute. Mit NFTs könnte es ähnlich verlaufen. Die Technologie ist intakt, die Anwendungsfälle sind vielfältig, die Infrastruktur wächst. Was fehlte, war die Zeit zur Reifung. Die haben wir jetzt.

Wer in der Schweiz den Markt beobachtet, erkennt interessante Bewegungen. Hier im Land haben wir eine der dichtesten Blockchain-Ökosysteme weltweit. In Zürich, in Zug, in Genf arbeiten Teams an Lösungen, die leise, aber stetig vorankommen. Das ist nicht immer sexy für die Schlagzeilen. Aber es ist genau das, was eine Technologie braucht, um vom Hype zur Realität zu gelangen.

Der Rückzug aus dem Tagesgeschäft hat mir geholfen, wieder klarer zu sehen. Wenn man zu nah am Geschehen ist, verliert man die Perspektive. Man reagiert auf jeden Kursschwank, jede Schlagzeile, jedes Gerücht. Das ist anstrengend und letztlich unproduktiv. Der Abstand hat mir gezeigt, worauf es wirklich ankommt. Die Technologie ist nicht das Problem. Das Problem war der Kontext, in dem sie präsentiert wurde. Entfernt man den Kontext, bleibt eine solide Basis.

Jetzt gilt es, diese Basis zu nutzen. Für mich bedeutet das, eigene Projekte zu entwickeln, die zeigen, was möglich ist, wenn man die Technologie ernst nimmt. Nicht um zu beweisen, dass man Recht hatte. Sondern um zu zeigen, was möglich ist, wenn man aufhört, auf den Lärm zu hören.

Die Frage, ob sich eine Beschäftigung lohnt, beantwortet sich von selbst, wenn man die richtigen Massstäbe anlegt. Wer schnelle Gewinne sucht, ist hier falsch. Wer langfristige Entwicklung sucht, findet ein Feld, das bereinigt und bereit für den nächsten Schritt ist. Das ist keine Verheissung, das ist eine Beschreibung der aktuellen Lage.

Ich werde mich in den kommenden Monaten intensiver mit konkreten Anwendungen beschäftigen. Dabei interessieren mich vor allem die Bereiche, die über die reine Spekulation hinausgehen. Zugangskontrolle, digitales Eigentum, künstlerische Werke mit echtem Mehrwert. Das sind Felder, in denen die Technologie ihr Potenzial entfalten kann. Und das sind Felder, in denen man mit vertretbarem Risiko arbeiten kann.

Wer heute einsteigt, muss keine Angst vor dem nächsten Absturz haben. Der ist bereits passiert. Was jetzt passiert, ist der Aufbau. Und beim Aufbau zählt nicht, wer am lautesten schreit, sondern wer am solidesten baut. Daran möchte ich mich beteiligen. Nicht als Zuschauer, sondern als Teilnehmer.

Der Markt ist tot, sagen manche. Ich sage, der Markt hat gerade erst richtig begonnen. Wer nur auf den Lärm achtet, verpasst das Signal. Und das Signal lautet ganz klar: Die Technologie ist da, die Anwendungen sind vielfältig, die Zeit ist reif. Man muss nur hinschauen.

Totgesagte leben länger

Der NFT-Markt hat eine notwendige Korrektur durchlaufen, die Spekulanten ausgesiebt und Platz für ernsthafte Entwickler geschaffen hat. Die Kernidee, nämlich der Besitznachweis auf der Blockchain, bleibt technologisch fundiert und wirtschaftlich relevant. In der aktuellen Schattenzeit lohnt es sich, eigene Akzente zu setzen und auf nachhaltige Anwendungen zu fokussieren. Wer jetzt einsteigt, findet einen bereinigten Markt vor, der Raum für echte Innovation bietet. Die Technologie ist intakt, die Infrastruktur wächst, und es gibt eine solide Basis für weitere Entwicklungen. Für mich heisst das, wieder aktiv zu werden, mit einem klaren Fokus auf Substanz statt auf Hype.